Disagio in Höhe von 10 % nicht unbedingt ungewöhnlich!

Um den Kauf eines Mehrfamilienhauses zu finanzieren, nahmen die Kläger ein Darlehen in Höhe von 1,333 Mio. Euro zu einem Zinssatz von 2,85 % auf. Dabei wurde ein Disagio von 10 % der Darlehenssumme vereinbart. Diesen wollte die Klägerin in Höhe von 133.300 Euro als sofort abziehbare Werbungskosten geltend machen. Das Finanzamt setzte hingegen nur einen Betrag in Höhe von 66.725 Euro fest. Ein Disagio in Höhe von 10 % sei nicht marktüblich, es sei vielmehr nur ein Disagio in marktüblicher Höhe – d. h. bis 5 % – abzugsfähig. Die restlichen 5 % seien als Werbungskosten über die Laufzeit zu verteilen. Dieser Ansicht schloss sich auch das Finanzgericht (FG) an, das sich dabei auf vorhergegangene Urteile stützte. Im vorliegenden Fall sei der laufende Zinssatz ungewöhnlich niedrig und der Disagio als Ausgleich besonders hoch, so dass es zu einem möglichst schnellen Werbungskostenabzug kommt.

Der Bundesfinanzhof (BFH) betonte, dass es sich bei einem Disagio in vorliegender Höhe um einen Ausgleich für den niedrigen Zinssatz handelt und damit eine Vorauszahlung der Zinsen darstellt. Allerdings bemesse sich die Marktüblichkeit des Disagios an Laufzeit, Zinshöhe und Höhe des Kredits. Die Feststellung einer ungewöhnlichen Gestaltung obliege der Gerichte im Einzelfall. Die 5-%-Nichtbeanstandungsgrenze des Bundesministeriums für Finanzen (BMF) ersetzt dies nicht. Auch die Feststellung der Ungewöhnlichkeit des FG anhand der Zinsstatistik für den Juli 2009 der Deutschen Bundesbank bei Wohnungsbaukrediten genügt dieser Anforderung nicht.
Daher hat der BFH die Sache noch einmal an das FG zurückverwiesen, damit dies anhand einer vernünftigen Abwägung der genannten Kriterien eine (Un-)Gewöhnlichkeit des Disagios feststellt.

Quelle: BUNDESFINANZHOF Urteil vom 8.3.2016, IX R 38/14