Gesellschafterfremdfinanzierung: kein Abgeltungsteuersatz

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat in seinem Urteil vom 29. April 2014 – VIII R 23/13 entschieden, dass bei einer Gesellschafterfremdfinanzierung kein Abgeltungssteuersatz gilt. Von einer Gesellschafterfremdfinanzierung spricht man, wenn der Gesellschafter einer Kapitalgesellschaft dieser Fremdkapital zur Verfügung stellt z. B. in Form eines Darlehens. Der BFH hat festgestellt, dass der gesonderte Steuertarif für Einkünfte aus Kapitalvermögen gem. § 32 d Abs. 1 EStG in Höhe von 25 % (Abgeltungsteuersatz) nicht für Einkünfte aus Kapitalvermögen eines mit mindestens 10 % an einer Kapitalgesellschaft oder Genossenschaft beteiligten Gesellschafters gilt.
Im konkreten Fall war der Kläger Alleingesellschafter und Geschäftsführer einer GmbH. Er schloss mit dieser einen Vertrag über die Gewährung eines ungesicherten Darlehens. Aus diesem Darlehen erzielte der Kläger Einkünfte aus Kapitalvermögen nach § 20 Abs. 1 Nr. 7 EStG (sonstige Kapitaleinkünfte), die er mit dem Abgeltungssteuersatz von 25 % versteuern wollte. Dies hat der BFH abgelehnt.
Die Gesellschafterfremdfinanzierung ist bei Kapitalgesellschaften weit verbreitet und ist eine Möglichkeit, den Kapitalbedarf der Gesellschaft zu decken. Wenn diese Form der Finanzierung gewählt wird, ist bei einer Beteiligung von über 10 % an der Gesellschaft zu berücksichtigen, dass die Kapitalerträge grundsätzlich mit dem in der Regel höheren progressiven Einkommensteuertarif versteuert werden müssen.