Kindergeldanpsruch auch bei Au-pair-Aufenthalt möglich

Au-pair-Aufenthalte im Ausland gelten grundsätzlich nur dann als Berufsausbildung, wenn sie mit einem mindestens zehn Wochenstunden umfassenden theoretisch-systematischem Sprachunterricht einhergehen.

Ein Anspruch auf Kindergeld besteht bei vollährigen Kindern vor allem während einer Berufsausbildung. Eine Berufsausbildung liegt vor beim Erwerb von Kenntnissen, Fähigkeiten und Erfahrungen, die als Grundlage für die Ausübung des angestrebten Berufs geeignet sind. Sie braucht weder in einer Ausbildungs- oder Studienordnung geregelt noch zur Erreichung eines bestimmten Berufsziels unerlässlich zu sein.

Auslandsaufenthalte werden lediglich dann unabhängig vom Sprachunterricht als Berufsausbildung betrachtet, wenn sie von einer Ausbildungs- oder Prüfungsordnung zwingend vorausgesetzt werden bzw. der Vorbereitung auf einen Fremdsprachentest dienen der zur Studien- oder Ausbildungszulassung erforderlich ist.

In einem jüngst entschiedenen Fall hielt sich die Tochter des Klägers für den Zeitraum von einem Jahr als Au-pair im EU-Ausland auf. Das Finanzgericht lehnte einen Anspruch auf Kindergeld genau wie der BFH ab.

Begründung: Die Tochter habe weniger als zehn Unterrichtsstunden pro Woche erhalten. Der Zeitaufwand für Hausarbeiten bleibt unberücksichtigt, über eine sprachliche Unterweisung durch die Gastmutter machte der Kläger keine näheren Angaben.

Eltern in vergleichbarer Situation sollten daher darauf achten, dass ihr Kind nachweisbar mindestens zehn Unterrichtsstunden pro Woche qualifizierten Sprachunterricht erhält, um den Kindergeldanspruch nicht zu gefährden.

BFH, Urteil vom 15. März 2012, Az. III R 58/08