Risiken selbsterstellter Testamente

Ohne notarielle oder anwaltliche Beratung selbst erstellte Testamente führen oft zu Auslegungs- und Abwicklungsschwierigkeiten nach dem Tode des Erblassers. So auch im Fall, den das Oberlandesgericht München mit Beschluss vom 15.07.2010 zu entscheiden hatte.
Die ledige und kinderlose Erblasserin hatte ein handschriftliches Testament verfasst, in dem sie eine Bekannte „berechtigt“ hatte, die gesamte Wohnungseinrichtung „in Empfang zu nehmen.“ Die Bekannte sollte nach dem Testament auch einem Dritten 500,00 Euro „überweisen“. Darüber hinaus erteilte die Erblasserin der Bekannten eine Vorsorgevollmacht nebst Patientenverfügung. Nach dem Tode der Erblasserin stellte sich heraus, dass die Wohnungseinrichtung faktisch wertlos war, die Erblasserin aber über Wertpapiere und Geldvermögen von zusammen ca. 50.000,00 Euro verfügte.

Die mit der Wohnungseinrichtung bedachte Bekannte sah sich als Erbin und beantragte die Erteilung eines entsprechenden Erbscheins. Das OLG München hat in dem vorzitierten Beschluss die Erteilung eines Erbscheins für die Bekannte aufgehoben. Die Zuwendung der Wohnungseinrichung – ein Vermächtnis im Rechtssinne – stelle regelmäßig keine Erbeinsetzung dar. Auch ließe sich aus der Vermächtnisauslobung keine Erbeinsetzung herleiten, da die Wohnungseinrichtung nicht den wesentlichen Wert des Nachlasses ausmache. Auch ließe sich aus der Erteilung der Kontovollmacht und der Vorsorgevollmacht keine Erbeinsetzung herleiten.
Durch den vom OLG München entschiedenen Fall wird wieder einmal deutlich, dass es sich für den juristischen Laien schwierig gestaltet, seinem letzten Willen in einem selbstverfassten Testament Geltung zu verschaffen.